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Rechenschaftsbericht des Vorstandes zur Mitgliederversammlung des ABB e.V. am 25. September 2010

Liebe Mitglieder des ABB e.V.,

unser Verband feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum und wir kommen zum 11. Mal zu unserer Mitgliederversammlung zusammen. Aus Anlass unseres runden Geburtstages ergänzen wir die Mitgliederversammlung um zwei weitere Veranstaltungsprogramme. „Nur wer richtig arbeiten kann, kann auch richtig feiern“ sagte dereinst ein deutscher Bundeskanzler. Dass wir richtig und viel arbeiten können, haben wir in den letzten Jahren mehrfach unter Beweis gestellt. Aber auch unsere Fähigkeit zum Feiern wird in diesem Jahr nicht zu kurz kommen. So wollen wir im Anschluss an die Mitgliederversammlung einen Rückblick auf den Aktionstag und gemeinsam einen zauberhaften Nachmittag und Abend verbringen. Für Ihr leibliches Wohl wird gesorgt sein.

1. Verbandsentwicklung

Die am 20. September in Potsdam stattgefundene Mitgliederversammlung mit der Wahl des neuen Vorstandes stellte den Jahreshöhepunkt in 2008 dar. Das alte
Arbeitspräsidium wurde in neuer Besetzung bestätigt. Ihre Ämter getauscht haben  Andrea Peisker, die nun den ABB e.V.- Vorsitz übernommen hat, und Karl Heinz Lauterbach, der nach 14-jähriger Amtszeit in die Stellvertreterposition wechselte.

Die Vorstandsmitglieder der vergangenen Amtszeit, bis auf Vera Hempel und Klaus Körner, ließen sich erneut aufstellen und wurden wieder gewählt. Neu kamen Renate Flemmig, Vorsitzende der Begegnungsstätte unBehindert leben e.V. aus Forst, und Gabriele Schirmer, Vorsitzende des Behindertenverbandes Landkreis Dahme-Spreewald e.V. aus Königs Wusterhausen, in den Kreis des erweiterten Vorstandes hinzu. Auf der Mitgliederversammlung des Allgemeinen Behindertenverbandes Deutschland am 11.10.2008 wurde Gabriele Schirmer zudem als Vertreterin des ABB e.V. in den ABiD e.V.- Vorstand gewählt.

Während der laufenden Amtszeit legte Volker Adreß, Vorsitzender des Behindertenverbandes Jüterbog, sein ABB e.V.- Vorstandsamt aus gesundheitlichen Gründen nieder.

Mit großer Trauer mussten wir den Tod unseres Landesbehindertenbeauftragten Rainer Kluge am 08.09.2009 zur Kenntnis nehmen. Sein Fehlen reißt eine große  Lücke in unsere Gemeinschaft. Mit seiner Sachkenntnis und seinem freundlichen Wesen setzte er sich mit ganzer Kraft für die Belange von Menschen mit Behinderungen im Land Brandenburg ein. Wir verlieren mit ihm nicht nur ein Gründungsmitglied, sondern auch einen Mitstreiter aus Leidenschaft.

Im Berichtszeitraum mussten wir aber auch zwei Austritte von ABB e.V. Mitgliedsvereinen verkraften. Die Mitgliedsvereine „Behindertenarbeitsgemeinschaft Lausitz e.V.“ und der „Behindertenfreundeskreis der Stadt Vetschau“ sind jeweils zum 31.12.2008 aus dem ABB e.V. ausgetreten. Der Behindertenverband Osthavelland e.V. erklärte zunächst zum 31.12.2009 seinen Austritt, um dann nach einer Neuwahl des Vorstandes sogleich zum 01.01.2010 wieder in den ABB e.V. einzutreten. Der Behindertenverband Seelow e.V. möchte seine Mitgliedschaft zum 31.12.2010 beenden. Als Hauptgründe für den Austritt wurden jeweils finanzielle Gründe angegeben. Sparmaßnahmen und das Zurückfahren von Förderprogrammen in den Kommunen wirken sich immer stärker auch auf Vereine im sozialen Bereich aus. Es entsteht ein finanzieller Druck, der die Vorstände der Mitgliedsvereine den Nutzen der ABB e.V.- Mitgliedschaft für die eigene Vereinsarbeit in Frage stellen lässt. Wir bedauern, dass wir trotz unserer zahlreichen Angebote in Form von Rundschreiben, Qualifizierungsmaßnahmen und der kostenlosen Rechtsberatung durch Dr. Faust die ausgetretenen Vereine von der Bedeutung unserer Arbeit und dem ideellen Gewinn einer Mitgliedschaft im Landesverband nicht überzeugen konnten. Weitestgehendes Entgegenkommen beweist der ABB e.V. bereits mit seiner Beitragsordnung, die Rücksicht auf die finanzielle Situation unserer Mitgliedsvereine nimmt. Der Mitgliedsbeitrag in Höhe von lediglich 20 % der von den Vereinen selbst festgelegten eigenen Beiträge stellt sicher, dass jedem Mitgliedsverein ausreichende finanzielle Mittel zur Ausgestaltung der eigenen inhaltlichen Arbeit bleiben. Dabei darf man nicht vergessen, dass auch der ABB e.V. selbst für jedes Mitglied einen Anteil seiner Mitgliedsbeiträge an den Allgemeinen Behindertenverband in Deutschland e.V. (ABiD) abführen muss.

Es wird auch für den neuen Vorstand eine wichtige Aufgabe sein, künftig weitere Austritte unserer Mitgliedsvereine zu verhindern. Nur begrenzt kann ein Ausbau der Angebote an unsere Mitgliedsvereine hier helfen. Dennoch planen wir für die kommenden Jahre jährlich zwei Bildungsveranstaltungen durchzuführen, um mit solchen oder ähnlichen Projekten die aktive Arbeit unserer Mitstreiter in den Städten und Gemeinden wirksam zu unterstützen. Durch die projektbezogene Bindung möglicher Fördergelder für den ABB e.V. wird es jedoch nicht möglich sein, finanzielle Hilfen an die Vereine zu deren eigener Existenzsicherung weiter zu reichen.

Leider lässt sich bei den Mitgliederzahlen ein leichter Abwärtstrend zu den beiden Vorjahren feststellen, sowohl bei den Einzelmitgliedern (minus 3) als auch bei der Anzahl der Mitgliedsvereine (minus 2). Eine sinkende Gesamtmitgliederzahl ist auch eine Folge sinkender Mitgliederzahlen innerhalb unserer Mitgliedsverbände, die   gleichermaßen von dieser Entwicklung betroffen sind (minus 131).

Vielen Verbänden fehlt nach wie vor der Nachwuchs. Gelingt es uns und unseren Mitgliedsverbänden nicht, schnell neue und jüngere Mitstreiter zu gewinnen, wird die Verbandsarbeit in den nächsten beiden Jahren durch die Altersstruktur unserer Mitglieder zusätzlich erschwert.

Um die Arbeit der Mitgliedsvereine zu unterstützen, haben wir auch im vergangenen Berichtszeitraum viele Angebote und Veranstaltungen organisiert (dazu mehr im Berichtsteil „7. Information und Aufklärung“.

Eine schöne Tradition ist die einmal jährlich stattfindende erweiterte Vorstandssitzung geworden. Für 2009 fand sie am 06. Juni beim Allgemeinen Behindertenverband Erkner e.V. mit Vertretern aus elf Mitgliedsvereinen statt. Im Anschluss an den offiziellen Tagungsteil organisierte Frau Scholz, Vorsitzende des Behindertenverbandes Erkner e.V., eine gemeinsame Führung durch das Gerhart-Hauptmann-Museum in Erkner. Am 05. Juni 2010 lud der Behindertenverband Kreis Eberswalde e.V. zur erweiterten Vorstandssitzung nach Eberswalde ein. Vertreter aus fünf Mitgliedsvereinen folgten der Einladung und genossen das Rahmenprogramm in der Paul-Wunderlich-Ausstellung im Paul-Wunderlich-Haus in Eberswalde.

Das Jahr 2010 ist geprägt von vielen 20-jährigen Jubiläen unserer Mitgliedervereine, da im Jahr 1990 viele Vereinsgründungen im Bereich der Behindertenselbsthilfe im Land Brandenburg erfolgten. Um unseren Mitgliedsvereinen Anerkennung für ihr langjähriges Engagement und Durchhaltevermögen zu zollen, hat das Arbeitspräsidium beschlossen, dass jede Einladung zu einer Jubiläumsfeier möglichst durch ein Mitglied des Arbeitspräsidiums wahrgenommen wird. Besucht wurden die Jubiläen der Mitgliedsvereine aus Eberswalde (23.01.2010), Jüterbog (27.03.2010), Fürstenwalde (10.04.2010) und Nauen (02.07.2010) durch die Vorsitzende, Andrea Peisker und die Jubiläumsveranstaltung des Behindertenverbandes Frankfurt (O.) (07.04.2010) durch den stellvertretenden Vorsitzenden, Karl-Heinz Lauterbach. Hinzu kommen Teilnahmen an Vorstandssitzungen, Mitgliederversammlungen oder Sommerfesten verschiedener Mitgliedsverbände.

Für intensivere Beratungen zur strategischen Ausrichtung des ABB e.V. führte das Arbeitspräsidium zwei Klausurwochenenden durch. Auf einer 3-tägigen Klausurtagung vom 14.-16.11.2008 in Lübben begab sich das Arbeitspräsidium in eine        „Ideenwerkstatt“ zu möglichen Maßnahmen zur Gewinnung neuer Mitglieder.

Vom 13. bis 14.11.2009 tagte das Arbeitspräsidium in Neuzelle und Eisenhüttenstadt. Der Schwerpunkt dieses Wochenendes lag in der Konzipierung der Aktivitäten zum Jubiläumsjahr 2010.


2. Geschäftsstelle

Zum 01.03.2009 kam es zu einer personellen Umstrukturierung der Landesgeschäftsstelle. Unsere Verwaltungsmitarbeiterin Ruth Schewitza schied zum 30.04.2009 aus dem Arbeitsverhältnis aus. Bereits während der krankheitsbedingten Vertretungsphase teilten sich Paul Redel und Nicole Stäbler die zusätzlichen Aufgaben untereinander auf. Durch die Verwendung einer neuen Buchhaltungssoftware gelang es, die Bearbeitungszeiten für die Buchhaltung erheblich zu reduzieren, so dass diese Aufgaben ohne neue Mitarbeiter zusätzlich durch Paul Redel übernommen werden konnten. Die Durchführung der Lohnbuchhaltung wurde entgeltlich an Rita Hennrich, die nebenberuflich als freie Buchhalterin arbeitet, übertragen. Die Verbandskommunikation zwischen den ABB e.V.- Mitgliedsvereinen im Vorfeld von Veranstaltungen, die Abrechung von Mitgliedsbeiträgen, die Bußgeldverwaltung und die allgemeinen Verwaltungsarbeiten übernahm Nicole Stäbler. Da sich diese       Arbeitsteilung als sehr konstruktiv erwies, erhielt Nicole Stäbler neben ihrer bereits bestehenden Halbtagsstelle im Beratungsdienst „Barrierefreiheit & Mobilität“ zum 01.03.2010 eine halbe Stelle als Mitarbeiterin in der Verbandskommunikation.

Außerdem wurde das Team der Geschäftsstelle von zusätzlichen Kräften auf Basis von Mehraufwandsentschädigung, geringfügiger Beschäftigung und im Rahmen von Praktika von Frank Benndorf (Juni 2008 bis Februar 2009), Jan Krech (von Oktober 2008 bis April 2010), Wolfgang Knop (Februar bis Mai 2009), Marcel Schmidt (August bis September 2009) und aktuell von Anke Landeck (seit Januar 2010) und  Andrea Meier (seit August 2010) unterstützt.

Anfang Oktober 2008 wurde eine neue Computeranlage in der Geschäftsstelle installiert. Fünf gut ausgestattete und vernetzte Computerarbeitsplätze ermöglichen den flexiblen Arbeitseinsatz der Geschäftsstellenmitarbeiter. Laufende Verwaltungsaufgaben lassen sich durch die Nutzung einer selbst entwickelten Verwaltungssoftware effektiv gestalten.

Um dem Auftrag der Geschäftsstelle nach Transparenz der eigenen Arbeit und der Weitergabe von relevanten Informationen regelmäßig gerecht zu werden, wurden im Berichtszeitraum insgesamt 15 Rundschreiben (RS) erstellt. Bewährter und beliebter Bestandteil ist auch weiterhin die „Rechtsecke“, in der Dr. Stephan Faust aktuelle Urteile und Hinweise aus dem Sozialrecht anschaulich aufarbeitet und darstellt. Am 25.09.2008 erschien zum ersten Mal die Rubrik „Heute aus“, in der die ABB e.V.-Mitgliedsvereine die Gelegenheit erhalten, sich und ihre Arbeit zu präsentieren.    Bisher haben die Behindertenverbände aus Potsdam (RS 05/2008), Rathenow     (RS 06/2008), Forst (RS 07/2008), Königs Wusterhausen (RS 01/2009), Eberswalde (RS 02/2009), Guben (RS 03/2009), Oranienburg (RS 04/2009), Senftenberg        (RS 06/2009), Eisenhüttenstadt (RS 07/2009), Erkner (RS 02/2010) und Bad Belzig (RS 04/2010) die Gelegenheit genutzt, sich mit Bildern und Berichten in den Rundschreiben darzustellen.

3. Soziale Beratung und juristische Hilfe

Mit 173 geleisteten persönlichen und ca. 550 telefonischen und schriftlichen Beratungsleistungen in den Jahren 2008 und 2009 hat Dr. Stephan Faust einen wesentlichen Anteil zu den Selbsthilfetätigkeiten unseres Verbandes beigetragen. Die Nachfrage setzt sich auf hohem Niveau auch 2010 fort.

Dr. Stephan Faust hat im letzten Berichtszeitraum sehr vielseitig die Aufgaben der Beratung in sozialen und juristischen Angelegenheiten wahrgenommen. Er hat neben der allgemeinen Beratung bei Anfragen die Mitgliedsvereine durch juristische Hinweise beraten, durch die Beiträge in der Rechtsecke unsere Rundschreiben ergänzt und bei der Vorbereitung und Durchführung von Weiterbildungsveranstaltungen mitgewirkt. Durch ihn wurden aber auch Recherchen zu den Aktionstagen angestellt, jeweils die Laudatio an die Betonkopfpreisträger 2009 und 2010 verfasst und intensiv an den Vorschlägen zur Novellierung des Landesbehindertengleichstellungsgesetzes aus Sicht des Landesbehindertenbeirates (LBB) und des ABB e.V. mitgearbeitet. Er hat in diesem Zusammenhang die Arbeitsgruppe des LBB zur Ausarbeitung der Novellierungsvorschläge geleitet. Das Abschlusstreffen der Arbeitsgruppe fand am 19.05.2009 in der ABB-Geschäftsstelle statt.

Dr. Stephan Faust  hat die Geschäftsleitung im Tagesgeschäft aktiv unterstützt und vor allem bei der Erstellung der Jahresabschlüsse 2008 und 2009 intensiv mitgewirkt.

4. Beratungsdienst „Barrierefreiheit und Mobilität“

Die Aktivitäten des ABB e.V. zur Thematik Barrierefreiheit und Mobilität haben seit Arbeitsbeginn des Beratungsdienstes am 01.02.2007 stark zugenommen.

Die Bearbeitung von Anfragen von Bauträgern, Kommunen, Architektur- und Ingenieursbüros ist kontinuierlich auf einem hohen Nachfrageniveau geblieben und wurde ergänzt durch die Beantwortung von Anfragen aus Privathaushalten, der Veranstaltung von Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen und der Moderation von Workshops bei Veranstaltungen des Landesbehindertenbeirates (LBB) und dem Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie (MASF).

Innerhalb des Berichtszeitraumes konnte das Team des Beratungsdienstes etwa 400 Anfragen zu den Themen Wohnungsanpassung, behindertengerechte Kfz-Anpassung und zu öffentlichen Bauvorhaben bearbeiten. Hierbei gibt es in der jeweiligen Bearbeitungszeit große Unterschiede. So dauerte unser bisher längster Beratungsfall etwa 2 Jahre und konnte mit der aktiven Hilfe zur Finanzierung eines aufwendigen Treppenliftes erfolgreich im Sommer 2010 abgeschlossen werden. In anderen Fällen lässt sich den Ratsuchenden häufig bereits mit einigen Telefonaten weiterhelfen.

Als große personelle Veränderung im ABB e.V. stellt sich der Rückzug von Joachim Kumpch als Leiter der Landesarbeitsgemeinschaft Bau & Verkehr und im Beratungsdienst Barrierefreiheit & Mobilität dar. Joachim Kumpch hat sich große Verdienste um die Barrierefreiheit im Land Brandenburg erworben. Unermüdlich war er mit der Begutachtung und dem Verfassen von Stellungnahmen zu großen Bauvorhaben im Land beschäftigt. Zudem machte er sich durch seine Kompromissbereitschaft bei der Findung kreativer und sinnvoller Problemlösungen als Botschafter für Menschen mit Behinderungen verdient. Als rollstuhlfahrender Bauingenieur verkörpert Joachim Kumpch zum einen besondere Fachkompetenz und zum anderen eigenes Erfahrungswissen als Person mit Mobilitätseinschränkungen.

Nachdem Joachim Kumpch Nicole Stäbler intensiv in seine bisherigen Aufgabengebiete eingearbeitet hatte, erfüllte er sich den lang formulierten Wunsch „etwas kürzer“ zu treten. Nichtsdestotrotz führt Joachim Kumpch die Mitarbeit an allen laufenden Projekten bis zu ihrem Abschluss zu Ende und steht nach wie vor Nicole Stäbler mit Rat und Tat zur Seite. Für sein außergewöhnliches Wirken für unseren Verband um die Belange von Menschen mit Behinderungen im Land Brandenburg und darüber hinaus möchten wir Joachim Kumpch ausdrücklich Dank sagen.

Neben der eigentlichen Beratungstätigkeit wurden weitere Aktivitäten zur Thematik der Barrierefreiheit unternommen. So konnten wir die Qualifizierung unserer ehrenamtlichen Wohnraumberater aus unseren Mitgliedsvereinen weiter ausbauen. Am 08.11.2008 und 18.04.2009 veranstalteten wir Grundlagenschulungen für die ehrenamtlichen Wohnberater in Potsdam bzw. Berlin. In der Begegnungsstätte unBehindert leben Forst e.V. konnte am 31.07.2009 eine Veranstaltung zum Thema „Barrierefrei Leben und Wohnen für behinderte und ältere Menschen“ durchgeführt werden. Des Weiteren wurden im Berichtzeitraum sieben Beraterbriefe mit wichtigen Informationen zu technischen und finanziellen Details zu Wohnraumanpassungsmaßnahmen erarbeitet und an die Wohnraumberater versandt.

Um die Selbstbestimmung von pflegebedürftigen Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zu fördern, haben wir eine Weiterbildungsreihe für Pflegefachkräfte, insbesondere für Pflegedienstleitungen ambulanter Pflegedienste und Mitarbeiterinnen von Pflegestützpunkten entwickelt. Bei den Qualifizierungsmaßnahmen handelt es sich um Tagesveranstaltungen, die sich mit der Thematik der Wohnraumanpassung auseinandersetzen. Die Teilnehmer sollen qualifiziert werden, die Herstellung von Barrierefreiheit in der Häuslichkeit ihrer Patienten bzw. Klienten zu fördern und somit einem Umzug in eine stationäre Einrichtung vorzubeugen.  Am 28.05.2009 wurde eine Schulungsveranstaltung zum Thema der Wohnraumanpassung in den Räumlichkeiten der Volkssolidarität Brandenburg e.V. erfolgreich durchgeführt. Weitere Maßnahmen erfolgten am 23.04.2010 in Potsdam, am 28.05.2010 in Eisenhüttenstadt, am 11.06.2010 in Oranienburg, am 18.06.2010 in Rathenow, am 25.06.2010 in Eberswalde und am 03.09.2010 in Forst.

Feststellen müssen wir einen Trend, nachträglich durch die Deutsche Bahn um Stellungnahmen zu Bauvorhaben gebeten zu werden – nachdem diese bereits

umgesetzt sind. Offensichtlich ist es der Deutschen Bahn in verschiedenen Fällen nicht gelungen, die Auflagen der öffentlichen Zuschussgeber hinsichtlich einer Beteiligung von Interessenverbänden von Menschen mit Behinderung hinreichend zu erfüllen. Um der Deutschen Bahn zu signalisieren, dass wir bereits im Vorfeld von Bauvorhaben eine Planungsbeteiligung fordern, werden wir künftig nachträgliche Stellungnahmen ausschließlich gebührenpflichtig erstellen. Wir tun dies auch in dem Bewusstsein, dass die von uns erarbeiteten Stellungnahmen zum einen in vielen  Fällen nachträglich Mängel feststellen mussten, sie zum anderen aus fachlicher Sicht entsprechenden Ingenieurleistungen in nichts nachstehen. Selbstverständlich bleibt dabei unsere Unabhängigkeit unberührt.

Nachdem wir 2008 das Kopfsteinpflaster symbolisch mit dem Betonkopf ausgezeichnet haben, bleibt die Thematik der Sanierung von Kopfsteinpflasterstraßen nach   historischem Vorbild in Städten und Dörfern im Land Brandenburg aktuell. So streiten wir in Potsdam gemeinsam an der Seite des Potsdamer Behindertenverbandes  gegen die Forderung einzelner Stadtverordneter zum weiteren Einsatz alter Pflastersteine nach Straßensanierungen. Zu dieser Thematik äußerten wir uns bei zahllosen Ortsbegehungen, Workshops und Gesprächen.

Dass es auch anders geht und der ABB e.V. auch im Vorfeld von Planungen einbezogen wird, zeigte sich am Beispiel eines geplanten Aussichtsturmes in der        Lieberoser Heide. Aufmerksam geworden durch entsprechende Medienberichte und noch unter dem Eindruck des Betonkopfes 2009 für die Landmarke Lausitzer Seenland wandten wir uns mit entsprechenden Hinweisen an das zuständige  Planungsbüro. Von dessen Seite wurde sehr kooperativ mit dem ABB e.V. zusammengearbeitet, um für dieses spezielle Bauvorhaben die größtmögliche Zugänglichkeit zu erreichen.


5. Integrative Erlebnisfreizeiten

Dieses Jahr wurden die Integrativen Erlebnisfreizeiten bereits zum 20. Mal durchgeführt. Dies wäre ohne die engagierte, ehrenamtliche und qualitativ hochwertige Arbeit von Uta und Thomas Kroop nicht möglich gewesen. Die Erlebnisfreizeiten sind schon seit Jahren das größte ABB e.V.- Projekt mit einer äußerst positiven Außenwirkung, die weit über die Landesgrenzen Brandenburgs hinaus strahlt. Wir möchten allen an der Planung, Durchführung und Nachbereitung der Erlebnisfreizeiten Beteiligten ganz herzlich danken. Das schließt die Projektleitung beider Durchgänge, die vielen ehrenamtlichen Betreuer, Ärzte und Krankenschwestern genauso mit ein, wie die Landesregierung, die Aktion Mensch, die Mittelbrandenburgische Sparkasse, die Delbrücksche Familienstiftung, Familie Mattuschka und viele weitere  Unternehmen, Institutionen und Einzelpersonen, die uns hierbei finanziell unterstützen.

Minister Günter Baaske überreichte am 27. Mai 2010 der Vorsitzenden Andrea Peisker in Kleinmachnow den Förderscheck für das Integrationsprojekt Erlebnisfreizeiten 2010 am Werbellinsee. Der Minister betonte, dass sich die Erlebnisfreizeiten innerhalb der letzten 20 Jahre zu einem wichtigen Bestandteil der sozialen Infrastruktur Brandenburgs etabliert haben.

Die Teilnehmerzahlen von 2009 (insgesamt 234 Teilnehmer) und 2010 (insgesamt 228 Teilnehmer) zeigen die hohe Nachfrage nach unserem Betreuungsangebot. Zudem waren in beiden Jahren die Wartelisten so lang, dass nicht alle angemeldeten Kinder und Jugendlichen zu den Freizeiten eingeladen werden konnten. Einige Eltern reagieren darauf mit Enttäuschung. Um unseren hohen qualitativen Standard an die Betreuung der Kinder und Jugendlichen nicht zu gefährden, müssen wir aber die Teilnehmerzahl begrenzen. Hinzu kommt, dass bei der Auswahl der Teilnehmer die richtige Mischung bezüglich des Geschlechtes, Alters und Hilfebedarfs zu beachten ist.

2010 trat aufgrund des frühen Beginns der Schulferien im Land Brandenburg erstmals die Problematik auf, dass viele Betreuer aufgrund des späteren Beginns der Semesterferien nicht an den Freizeiten teilnehmen konnten. So musste kurzfristig eine intensive Betreuersuche gestartet werden. Mit Inseraten in Zeitschriften, Internetplattformen und der Versendung von Aushängen an Hochschulen, Berufsfachschulen und Oberschulen konnten wir rechtzeitig zu Beginn der Freizeiten eine ausreichende Anzahl an qualifizierten Betreuern gewinnen.

6. Interessenvertretung

Im Zentrum unserer Interessenvertretung steht seit Verbandsgründung die gesellschaftliche Integration von Menschen mit Behinderungen. Dazu bedarf es der stetigen Aufforderung an Politiker, Unternehmer, Verwaltung und die Gesellschaft insgesamt, die Belange von Menschen mit Behinderungen als Querschnittsaufgabe in  allen Politikfeldern zu berücksichtigen. So fordern wir beispielsweise im Zusammenhang mit dem aktuellen Novellierungsvorhaben des Brandenburgischen Behindertengleichstellungsgesetzes (Bbg-BGG) die Zuordnung des Amtes des Landesbehindertenbeauftragten in den Zuständigkeitsbereich der Staatskanzlei und nicht wie  bisher im Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie. Außerdem muss    dieses Gesetz in seiner Anwendung zwingend auf die Kommunen, das heißt die Städte und Gemeinden ausgeweitet werden. Bereits vor Inkrafttreten im März 2003 kritisierten wir dieses Gesetz in diesen und anderen Punkten als nicht weitreichend genug.

Seit Anfang 2009 wird auf Initiative des Ministeriums für Soziales, Arbeit, Frauen und Familie (MASF) an einer Novellierung des BbgBGG gearbeitet. Von Seiten der    Vorsitzenden des Brandenburger Behindertenbeirates (LBB) wurde Dr. Faust       gebeten, den Vorsitz einer Arbeitsgruppe zur Ausarbeitung von Novellierungsvorschlägen aus Sicht des LBB für das Gleichstellungsgesetz zu übernehmen. Nach langem und kontroversem Ringen der Akteure im Landesbehindertenbeirat um die Abstimmung gemeinsamer Positionen, erarbeitete das Arbeitspräsidium im Frühjahr 2010 für den ABB e.V. dann einen eigenen Forderungskatalog.

Neben der Leitung der Arbeitsgruppe Gesetzesnovellierung führten wir unsere Mitarbeit im LBB fort. Andrea Peisker leitete als ABB e.V.-Vertreterin im LBB die Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit und nahm regelmäßig an den turnusgemäßen LBB-Sitzungen teil. Der ABB e.V. war durch Beiträge von Andrea Peisker, Nicole Stäbler und Dr. Stephan Faust am 02.12.2009 auf der behindertenpolitischen Konferenz des LBB zur Umsetzung der UN-Konvention vertreten. Durch die Moderation des Forums „Barrierefreiheit“ und das durch den ABB e.V. gehaltene Schlusswort konnten wichtige Impulse und Anregungen gegeben werden.

Das MASF organisierte für 2010 insgesamt fünf Regionalkonferenzen im Land Brandenburg. Ziel der Konferenzen war der gemeinsame und breit angelegte Austausch zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen; mit dem Ziel, für das Land Brandenburg Maßnahmen zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen zu erarbeiten. Viele unserer Mitglieder aus den Regionen nahmen daran teil und vertraten unsere Positionen in den verschiedenen      Themenforen. Dass man seitens des MASF und der Vorbereitungsgruppen aber auch an den ABB e.V. herantrat, um für die Leitung der Foren fachkundige Moderatoren zu gewinnen, beweist ebenfalls den Stellenwert, den unser Verband landesweit erreicht hat. Klaus Morgenstern, Nicole Stäbler und Andrea Peisker verstärkten auf diese Weise die Regionalkonferenzen in Eberswalde, Hennigsdorf, Frankfurt (O.) und Cottbus und präsentierten somit indirekt auch den ABB e.V. einem breiteren Publikum.

Die nun ausstehende Auswertung der fünf Konferenzen durch das MASF wird      zeigen, wie wirkungsvoll das Konzept der Konferenzen war und inwieweit ihre Ergebnisse in die Landespolitik ausstrahlen. Bereits am Aktionstag im Mai 2010 warnten wir vor zu großen Erwartungen an die UN-Konvention, wenn nicht deren Forderungen Einzug in die entsprechenden Gesetze auf Länder- und Bundesebene finden.

Die Aktionstage im Mai 2009 und 2010 waren für den ABB e.V. jeweils die Jahreshöhepunkte bezüglich der Interessenvertretung. Schwerpunkte des Diskussionsforums 2009 waren die Barrierefreiheit im Land Brandenburg und die ratifizierte UN-Konvention. Als Symbol für die vielen Missstände im Land haben wir die Stadt Senftenberg mit dem Betonkopf Brandenburg 2009 ausgezeichnet. Bereits in der Wettbewerbsausschreibung zum Bau eines Aussichtsturmes wurde ausdrücklich auf die Notwendigkeit barrierefreier Entwürfe verzichtet.

Zum Aktionstag am 03.05.2010 tauschten wir uns mit den Vertretern aus dem       Sozial-, Gesundheits- und Baumministerium sowie den Vertretern der Landtagsfraktionen über nicht barrierefreie Arztpraxen, einen nicht für alle Menschen nutzbaren öffentlichen Nahverkehr und weitere Probleme für Menschen mit Behinderungen im Land Brandenburg aus. Eine Neuerung bei der Ablauforganisation des Aktionstages bestand in dem verkleinerten Podium, das sich ausschließlich aus den drei Ministeriumsvertretern zusammensetzte. So gelang es, die Diskussion auf die geschilderten Probleme aus dem Impulsreferat und den Teilnehmerbeiträgen zu fokussieren.

Der Betonkopf für 2010 ging an die Stadt Lübben für die Nichtberücksichtigung barrierefreier Zugänge bei der Sanierung eines städtischen Veranstaltungssaales.

Aktive Interessenvertretung erfolgte aber auch durch die Mitarbeit in verschiedenen Arbeitskreisen, Gremien und Ausschüssen. Eine intensive Mitwirkung durch den ABB e.V. erfolgte in der AG „BBI Schönefeld - Barrierefreies Bauen“, die den Bau des neuen Großflughafens Berlin-Brandenburg (BBI) in dieser Hinsicht begleitet. Durch die Teilnahme an regelmäßigen Treffen und das Verfassen von Stellungnahmen zu einzelnen Baumaßnahmen konnten wir Einfluss auf die barrierefreie Gestaltung rund um den BBI nehmen. Außerdem war der ABB e.V. regelmäßig im Ausschuss       „Barrierefreies Bauen“ der Brandenburgischen Architektenkammer vertreten. Auch zur DIN 18040 haben wir im Entwurfsverfahren eine ausführliche Stellungnahme erarbeitet.

Die Tourismusakademie Brandenburg beteiligte den ABB e.V. bei der Planung und Umsetzung einer Internetplattform für barrierefreie Unterkünfte im Land Brandenburg. Ziel war eine detaillierte Erfassung von relevanten Daten für die barrierefreie Nutzung von Hotels und Pensionen. Die Arbeiten an der Internetplattform und den zu erhebenden Daten fanden in der Präsentation der neuen Internetseite am                2. September ihren Abschluss.

Hinzu kommt die Mitarbeit von Andrea Peisker im Beratenden Ausschuss des Integrationsamtes beim Landesamt für Soziales und Versorgung. Zukünftig wird     Andrea Peisker außerdem für den Landesbehindertenbeirat auch im Beirat für den Schienengebunden Nahverkehr der Länder Berlin und Brandenburg mitwirken.

Karl-Heinz Lauterbach wurde als Vertreter des ABiD e.V. in den Vorstand des Bundeskompetenzzentrums Barrierefreiheit e.V. (BKB) berufen. Das BKB hat als Verband von bundesweit tätigen Sozial- und Behindertenverbänden das Ziel, die Umsetzung des Bundesbehindertengleichstellungsgesetzes, insbesondere die Herstellung der Barrierefreiheit zu unterstützen.

Nicht vergessen werden darf an dieser Stelle das langjährige und ehrenamtliche Engagement unserer ehrenamtlichen Richter Rita Hennrich, Andrea Peisker und Manfred Schumann an den Sozialgerichten Frankfurt (O.) und Cottbus

7. Information und Aufklärung

Auf der Klausurtagung vom 14. bis 16.11.2008 in Lübben hat  das Arbeitspräsidium Veränderungen bei der bisherigen Form und Ausgestaltung des Arbeitsbereiches „Information und Aufklärung“ beschlossen. Zum einen wurde entschieden, das Engagement für die kostenpflichtige Brandenburgseite bei der Berliner Behindertenzeitung einzustellen und dafür langfristig an der Einführung eines E-Newsletters als regelmäßige Informationsquelle für unserer Mitglieder und Partner zu arbeiten. Zum anderen wurde die Neugestaltung des bisherigen Internetauftrittes angeregt. Gewünscht wurde ein geschützter Mitgliederbereich mit drei verschiedenen Themenforen, neuer Suchfunktion innerhalb der ABB e.V. -Internetseite und eine höhere barrierefreie Nutzbarkeit. Zur Realisierung dieser Elemente haben wir auf die Hilfe eines kompetenten Informatikstudenten zurückgegriffen.  Anfang 2010 ging dann die neue Internetseite mit gewohnter Adresse an den Start.

Dr. Stephan Faust hat die Veranstaltungsreihe „Keine Angst vor dem Sozialgericht“ und „Wonach richtet sich der Grad der Behinderung?“ erfolgreich beendet. Die von der Aktion Mensch geförderten Schulungen beinhalteten von Anfang Oktober 2008 bis Ende August 2010 eine zentrale Maßnahme über 2 Tage in der EJB am Werbellinsee vom 25. bis 26.09.2009 und vier Tagesveranstaltungen in Eberswalde (17.10.2008), Rathenow (10.03.2009), Wustermark (10.12.2009) und Forst (30.08.2010).

Bei der Auswertung der Bewertungsbögen des Bildungswochenende am Werbellinsee vom 24. bis 25.09.2009 zum Thema „Grad der Behinderung - Richtig beantragen“ zeichnete sich ein klares Meinungsbild der Teilnehmer ab. Als positiv bis sehr positiv bewerteten die Teilnehmer/innen den Veranstaltungsinhalt und die Qualität der Seminarleitung. Deutliche Kritik wurde bezüglich der Auswahl der Unterkunft bzw. des Seminarraumes geübt. Der Veranstaltungsort konnte hinsichtlich der Übernachtungssituation nicht den Anforderungen der Teilnehmer mit Rollstuhl gerecht werden, z.B. mangels ausreichend barrierefreier Toiletten. Dieser Umstand veranlasste uns, daraus Konsequenzen zu ziehen und zukünftig keine Kompromisse     bezüglich der Barrierefreiheit bei unseren Veranstaltungsorten zuzulassen, auch wenn dies die Auswahl der möglichen Tagungsorte einschränkt.

Ende 2009 konnten wir dank der Selbsthilfeförderung der Deutschen Angestelltenkrankenkasse (DAK) und mit der inhaltlichen Mitarbeit von Dr. Stephan Faust einen Informationsflyer zum Thema „Vorsorgevollmachten“ erstellen. Der Flyer kann kostenlos über die Geschäftsstelle des ABB e.V. bestellt werden.

Vom 08. bis 10. April 2010 war der ABB e.V. mit einem Stand auf der Reha- Messe „Miteinander leben“ vertreten. In diesem Jahr konzentrierte sich unser Auftritt auf unsere Aktivitäten zum Projekt Betonkopf Brandenburg. Mit der Aufstellung eines originalen Supermarktdrehkreuzes und eines nachempfundenen Rückgabeautomaten für Pfandflaschen wiesen wir auf alltägliche Behinderungen hin. Der ABB e.V. setzte damit seine ununterbrochene Messeteilnahme an der zweitgrößten Reha-Fachmesse Deutschlands fort, die seit 1992 im Zwei-Jahres-Rhythmus in Berlin  stattfindet.

Für eine persönliche Vorstellung des ABB e.V., seiner Projekte und seiner Mitgliedsverbände wurden durch Andrea Peisker aber auch eine Beratung des Landesbehindertenbeirates sowie eine Heimleitertagung des DRK-Landesverbandes genutzt.

 

8. Auszeichnungen

Es ist kein Zufall, dass gleich drei Persönlichkeiten des ABB e.V. 2010 für ihr langjähriges Engagement für Menschen mit Behinderungen mit dem Bundesverdienstkreuz bzw. der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland vom Bundespräsidenten ausgezeichnet wurden. Wir freuen uns für unsere auf würdige Weise geehrten Mitglieder. Gleichzeitig wissen wir, dass gelingende ehrenamtliche Leistung nur in einem Umfeld aus Gleichgesinnten und vielen Mitstreitern erfolgen kann. Das Lob des Bundespräsidenten trifft letztendlich auch diejenigen, die die Arbeit von Marianne Sawall sowie Uta und Thomas Kroop unterstützen und ermöglichen.

Marianne Sawall bekam am 22. März 2010 für ihr langjähriges und uneigennütziges Engagement aus den Händen von Burkhard Jungkamp, Staatssekretär im Brandenburgischen Bildungsministe-rium, das Bundesverdienstkreuz am Bande des Ver-dienstordens der Bundesrepublik Deutschland verlie-hen. Marianne Sawall ist durch ihr eigenes Schicksal für die Belange von Menschen mit Behinderungen sensibi-lisiert. Von 1993 bis 2004 war sie hauptamtlich als Finanzbuchhalterin in der Landesgeschäftsstelle des ABB e.V. tätig und ist dem Verband auch im wohlverdienten Ruhestand als aktive Mitstreiterin verbunden geblieben. Sie ist Mitglied im Vorstand des ABB e.V. und gleichzeitig Schatzmeisterin des Potsdamer Mitgliedsverbandes.

Uta und Thomas Kroop wurde am 27.05.2010 in Kleinmachnow durch den Sozialminister Günter Baaske die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutsch-land überreicht. In Anwesenheit vieler langjähriger Mitstreiter und Freunde der Erlebnisfreizeiten, dem Arbeitspräsidium des ABB e.V. und den Mitarbeitern der ABB e.V.-Geschäfts-stelle erhielten die Kroops die Auszeichnung für ihr 20-jähriges Engagement für die Integrativen Erlebnisfreizeiten des ABB e.V. Es ist nicht die erste Auszeichnung für die beiden Organisatoren der Erlebnisfreizeiten. Bereits 2003 erhielten Uta und Thomas Kroop vom Sozialministerium den erstmals im Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen vergebenen "Giraffe"-Preis für ihr außerordentliches Engagement für Menschen mit Behinderungen. Von der ostdeutschen Initiative "Engagement zeigt Gesicht" wurde Uta Kroop 2004 zudem zur Botschafterin des Ehrenamts berufen.  Uta Kroop ist seit 1991 Projektleiterin der Integrativen Erlebnisfreizeiten. Thomas Kroop fungiert als ihr Stellvertreter und ist gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des ABB e.V.

Fazit

Wenn wir heute auch 20 Jahre ABB e.V. feiern können, dann beweist das, dass sich unser Erfolgsmodel - basierend auf einem hohen Maß persönlichem Engagement, der hohen Qualität unserer Angebote und Projekte sowie unserer Kontinuität und auch Sparsamkeit in all den Jahren durchgesetzt hat. Es wurden nur die Projekte begonnen, die personell und finanziell für uns zu leisten waren und wenn in zum Teil langen AP-Sitzungen manchmal um Details diskutiert wird, dann ist auch das ein Grund dafür, dass es gelungen ist, das Fortbestehen des ABB e.V. bis zum heutigen Tag sicherzustellen. Der ABB e.V. ist Anbieter des größten Projektes für Integrationsfreizeiten im Land Brandenburg, ist viel gefragter Ansprechpartner seitens Ministerien, Behören, Unternehmen, Architekturbüros und Einzelpersonen und ein starker Interessenvertreter für seine Mitgliedsvereine. Darüber hinaus ist es dem ABB e.V. auch in finanziell angespannten Zeiten gelungen, seine Kernaufgaben verlässlich fortzuführen.

Die ehrenamtliche Form der Mitarbeit in Vereinen und Projekten ist im Wandel begriffen. Gerade für den ABB e.V., der vorwiegend von ehrenamtlicher Arbeit  lebt, ist es daher wichtig, allgemeine Veränderungen frühzeitig zu erkennen, um darauf reagieren zu können. Immer weniger Menschen sind bereit, sich auf Dauer freiwillig und unentgeltlich für regelmäßig wiederkehrende Aufgaben zu verpflichten. Einfacher ist es, Mitstreiter für zeitlich begrenzte Projekte und klar strukturierte Tätigkeiten zu gewinnen. Sie, liebe Mitglieder in den Vereinen, wissen, wovon die Rede ist! Unsere Erlebnisfreizeiten sind ein gutes Beispiel gelungener projektbezogener Mobilisierung. Ein solcher Projektcharakter in der Arbeit entspricht aber in den seltensten Fällen der Situation unserer Mitgliedsvereine vor Ort. Dort werden ehrenamtliche Mitarbeiter für die regelmäßig wiederkehrende Vereinsarbeit benötigt. Dem allgemeinen gesellschaftlichen Trend entsprechend gelingt es aber häufig nicht, gerade unter jüngeren Menschen mit Behinderung begeisterte Partner zu finden. Verstärkt durch eine natürliche Fluktuation der Mitglieder wirkt sich dies in sinkenden Mitgliederzahlen aus – der Negativsaldo der Bevölkerungsentwicklung wird auch bei uns deutlich spürbar.

Will der ABB e.V. diesen Trend aufhalten, muss es in der kommenden Legislaturperiode noch stärker gelingen, entsprechende Ideen zu entwickeln, um neue und vor allem auch jüngere Mitglieder für unsere Verbandsaktivitäten zu gewinnen und langfristig zu begeistern. Die Herausforderung liegt aber auch in der Suche nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten für bestehende Projekte, denn auch hier wird der      „Kuchen, der aufgeteilt werden kann“, nicht größer - im Gegenteil, die „hungrigen Mäuler“ am Tisch werden mehr.

Lassen Sie uns gemeinsam die nächsten 20 Jahre des Allgemeinen Behindertenverbandes Land Brandenburg e.V. mit den Worten des italienischen Dichters und Philosophen Dante Alighieri stellen, der mal sagte:

 

„Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt,

der andere packt sie kräftig an und handelt.“




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