Verbandsspende

Spendenportal

Aktionstag

link aktionbarrierefrei.de

Betonkopf

Betonkopf Brandenburg 2013

Erlebnisfreizeiten

ABB is o.k. Zeichnung

Familienratgeber

familienratgeber

Newsletter

  • Newsletter bestellen

.

Laudatio "Betonkopf Brandenburg 2012"

      Laudatio 2012                                          

Der Allgemeine Behindertenverband Land Brandenburg e.V. verleiht den Betonkopf 2012 an  

                        die Gemeinde Wiesengrund   

für die Sanierung der Kindertagesstätte „Sonnenschein“ Trebendorf.

Diese Kindertagesstätte ist nicht nur nicht barrierefrei saniert worden, es wurde vielmehr im Zuge der Sanierung der einzige vorhandene barrierefreie Zugang zum Gebäude beseitigt.

Betonkopf 2012

Hierfür gab es nach unserer Überzeugung keinen einzigen nachvollziehbaren Grund:

  • Das Gefälle der alten Rampe hat eine Nutzung für Rollstuhlfahrer problemlos ermöglich. Ein Blick auf die vorhandenen Fotos vor der Sanierung belegt das sehr deutlich.
  • Der Weg von der Straße über die Rampe in Gebäude mag nicht der offizielle Haupt eingang sein. Er hätte Mobilitätsbehinderten aber einen Zugang ermöglicht – sei es als behindertes Kind oder als rollstuhlfahrende Eltern oder Großeltern.
  • Eine Stolperstelle für die bewegungsfreudigen Kinder war die vorhandene Rampe auch nicht. Sie war links und recht durch Anschüttungen in den Garten einbezogen. Und ob nun zwei Treppen für umhertollende Kinder in einem Kindergarten eine wirklich kleinere Gefahr sind, mag dahingestellt bleiben.
  • Auch der vermeintliche Platzmangel für Spielgeräte hat uns nicht überzeugt. Nach der Sanierung stehen im gleichen Bereich des Gartens auch die gleichen Spielgeräte.

Dagegen hätten viele gute Gründe dafür gesprochen, zumindest den barrierefreien Zugang zum Erdgeschoss zu erhalten:

  • Barrierefreies Bauen ist keine Frage der individuellen Nachfrage.
    Barrierefreiheit ist ein Bürgerrecht, das nicht erst dann zu gewähren ist, wenn ein Einzelner dies im konkreten Fall nachfragt.
    Wir wehren uns gegen eine Sichtweise, die Menschen mit Behinderungen damit abspeist, sie mögen sich mit dem Vorhandensein einzelner für sie geeigneter Einrichtungen begnügen.

Sie haben einen Anspruch darauf, die gleichen Lebensräume selbstverständlich nutzen zu können, wie ihre nichtbehinderten Mitbürger. Das ist der Geist der UN-Behindertenrechtskonvention, des Grund gesetzes und nicht zuletzt auch der Verfassung des Landes Brandenburg.

  • Der barrierefreie Zugang ist nicht nur für mobilitätsbehinderte Kinder von Bedeutung.

Den Blick allein darauf zu konzentrieren, ob in der Einrichtung solche Kinder überhaupt betreut werden können, greift zu kurz. Es gibt auch mobilitätsbehinderte Eltern, die ihr nicht behindertes Kind zur Einrichtung bringen oder von dort abholen möchten, von den eventuell nicht mehr so rüstigen Großeltern ganz zu schweigen.
Wer mobilitätsbehindert ist, bleibt jetzt in Trebendorf draußen vor der Treppe, ob Kind, Eltern oder Großeltern.

  • EU-Mittel aus dem Förderprogramm ELER zur Entwicklung des ländlichen Raumes müssen so eingesetzt werden, dass eine Diskriminierung wegen einer Behinderung ausgeschlossen ist.

Art. 8 der entsprechenden EU-Verordnung lautet wörtlich:

Die Mitgliedsstaaten und die Kommission fördern die Gleichstellung von Männern und Frauen und stellen sicher, dass auf den verschiedenen Stufen der Umsetzung der Programme Diskriminierungen wegen des Geschlechts, der Rasse oder der ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung ausgeschlossen sind.

Wer mehr als 240.000 EUR Fördermittel aus diesen Programmen in Anspruch nimmt, hat daher nicht nur die moralische Pflicht, eine Einrichtung zu schaffen, die Menschen mit Behinderungen nicht ausschließt.

  • Und wenn das Land Brandenburg im aktuellen Diskussionsprozess zur Umsetzung der Un-Behindertenrechtskonvention auch den Aufbau eines inklusiven Bildungssystems vorantreiben will, dann gehören Kindertagesstätten als Einrichtungen der frühkindlichen Bildung in jedem Fall dazu.

Ob es möglich gewesen wäre, auch den Innenbereich zumindest in Teilen barrierefrei zu gestalten, können wir nicht einschätzen.

Wenn das unter Hinweis auf DIN-Normen zur Bewegungsflächen für Erwachsene abgelehnt wird, bleiben doch Zweifel.

Aus unserer Sicht gab es keinen überzeugenden Grund, im Zuge der Sanierung den vorhanden barrierefreien Zugang zur Kindertagesstätte zu beseitigen und sich das noch mit öffentlichen Fördermitteln finanzieren zu lassen.

Ausschlaggebend war für unsere Entscheidung auch, dass die Gemeinde frühzeitig im Planungsprozess auf die Problematik der Barrierefreiheit hingewiesen worden war.

Wenn es mit der Eröffnung an der sanierten Kindertagesstätte kein Quäntchen Barrierefreiheit mehr gibt, dann ist das das Ergebnis einer bewussten Entscheidung der Verantwortlichen.

Diese Entscheidung war uns einen Betonkopf wert.



.